Auf der Reise gen Norden (27.07.09- 02.08)

Am 27.07 bereiten wird uns auf eine gemütliche 8 Meilen-Tour in den gegenüber liegenden "English Harbour" vor. Nach 2 Meilen fällt mir siedend heiss ein, das heute unser Transitlog für die Türkei abläuft und von empfindlichen Strafen bei Überschreitung die Rede ist. Also Kurswechsel und ab nach Bodrum. Anfangs motoren wir gegen lauen Westwind an und rechnen mit rechtzeitiger Ankunft in Bodrum. Auf der Höhe von Cökertme brist es auf und wir setzen Vollzeug. Leider nur kurze Zeit. Der Wind wird stärker und stärker bis wir nur mit einigen Fetzten Segel auf die Kreuz gehen müssen. Der Windmesser zeigt bis zu 32 Kn. aber das schlimmste ist die enorme Welle von ca. 3 m, die uns an den Kaps zu schaffen macht. Endlich, im Schutz von Karaada komme ich endlich vom Steuerrad weg und frage in Bodrum nach einem freien Platz. Fehlanzeige-ausgebucht. Trotzdem laufen wir in den Hafen ein aber man weist uns rigoros ab. Also auf Reede, Beiboot klarmachen und auf Behördensuche. Die Portpolice ist nur für türkische Schiffe zuständig und im 2. Anlauf nennt man uns einen Agenten, der die Formalitäten erledigen kann. Schließlich, 17:10 Uhr finde ich ihn auch und schildere ihm meine Lage. Er ruft auch sofort beim Zoll an und erklärt mir, leider bin ich 10min zu spät. Die Strafe wird fällig, hält sich aber mit allen Gebühren in Grenzen (185 Eur). Am nächsten Abend soll ich die Papiere abholen. Ich interveniere und er verspricht, den Termin zu verkürzen.
Auf Reede ist es auszuhalten, wenn auch ein paar Nebenlieger auf Slip gehen. Dann, gegen 22 Uhr geht das Theater los. Die Discos am Strand, von denen wir max. 150 m entfernt liegen, drehen die Lautstärke auf Maximum. Dazu die Laserkanonen und Leuchtreklame. Unterhaltung an Bord ist nicht mehr möglich und unter Deck halten wir es bei geschlossenen Luken auch nicht aus. Um 4 Uhr ist der Spuk vorbei. Als um 13 Uhr der Agent anruft, geht um 13:30 der Anker trotz des starken Windes wieder auf. Bis Turgutreis sind es nur 11 Meilen und wir kämpfen uns nur unter Maschine durch die Wellen. In der Straße von Kos erwischt es uns noch einmal heftig, aber dann sind wir durch. In Turgutreis weht nur ein schwaches Lüftchen und wir befreien das Schiff sofort von der Salzkruste. An Ausgehen ist heute nicht mehr zu denken und wir werfen uns früh in die Kojen.

Heute ist der 29.07 - Inges Geburtstag, den wir 2008 auch hier verbracht haben. Zu allem Überfluss fällt auch noch mein Solarregler aus, aber ein Ersatz kann innerhalb eines Tages beschafft werden. Also ist erst einmal Relaxen angesagt. Das Abendessen an der Touristenmeile spottet jeder Beschreibung aber der Wein war gut.

Am 31.07 machen wir uns auf die nächste Etappe, 14 Meilen nach Didim, eine neue Marina nördlich von Yalikavak, die uns ein interessantes Angebot für einen Jahresvertrag gemacht haben. Marti-Marina hat die Preise mehr als verdoppelt und nun suchen wir einen neuen Platz. Um 7 Uhr laufen wir in Erwartung der morgentlichen Flaute aus und müssen uns wieder gegen 25 Kn. auf die Kreuz machen. Nach 6 harten Stunden erreichen wir Didim. An der Funke hatte sich keiner gemeldet und ich befürchtete wieder Schlimmes. Aber alles geht glatt. Den im Handbuch und in den Emails angegebenen Anrufkanal hatte man kurzfristig von 73 auf 72 geändert. Die Kapazität von 580 Schiffen wird z.Zt. nur von etwa 50 Booten genutzt und vieles ist noch im Bau. Wenn alles fertig ist, wird die Anlage mit Turgutreis vergleichbar sein, wenn auch das Umfeld noch nicht so ist. Einkaufsmöglichkeiten fehlen komplett und nur ein Restaurant hat geöffnet. Auf unser Essen warten wir geschlagene 1 3/4 Std. aber es ist gut. Von dem Dachgarten hat man einen herrlichen Blick über die Bucht bis nach Kos und Kalymnos.          

Gassigehen Auslaufen aus Turgutreis
Ankunft in Didim Der Hafen

Der Meltemi hält uns ein paar Tage hier fest und wir nutzen die Zeit, die nähere Umgebung kennen zu lernen. Die Stadt Altinkum, an deren Westende die Marina liegt, ist in dieser Zeit vom Touristenrummel geprägt. Vergnügungsparks und ausgeprägter Wasseraktivitäten am Strand vor der Stadt belästigen uns hier kaum. Ein Taxi bringt uns zu dem antiken Didyma, der Orakelstadt des Delphischen Apollos. Ein gewaltiges Bauwerk, das um 700 v.Chr. begonnen wurde und 560 v.Chr. endgültig fertig gestellt wurde. Der schwerste noch vorhandene Stein der Säulen soll ca. 70t schwer sein.